Religiöse Kulturen im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts
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Band 2: Martina Niedhammer: Nur eine »Geld-Emancipation«? Loyalitäten und Lebenswelten des Prager jüdischen Großbürgertums 1800–1867

Cover_Niedhammer

In ihrer Gruppenbiographie der Prager jüdischen Oberschicht im 19. Jahrhundert schreibt Dr. Martina Niedhammer gegen eine gängige Forschungsmeinung an, derzufolge das jüdische Großbürgertum vor allem an seinem sozialen Aufstieg, auch um den Preis eines Identitätsverlustes, interessiert gewesen sei. Analysen seiner politischen, kulturellen und religiösen Loyalitäten zeigen jedoch, wie vielfältig die Selbstentwürfe dieser kleinen, aber gesellschaftlich einflussreichen Personengruppe waren.

Für ihr Buch erhielt Martina Niedhammer zwei Auszeichnungen:

Am 3. Mai 2013 erhielt sie den Georg R. Schroubek-Dissertationspreis 2013. Dieser wird vom Sonderfonds "Östliches Europa" der LMU München für herausragende kulturwissenschaftliche Arbeiten ausgelobt.

Darüber hinaus wurde ihr am 7. Dezember 2013 anlässlich der feierlichen Jahressitzung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften der Max Weber-Preis 2013 verliehen. Der jährlich vergebene Preis zeichnet junge NachwuchswissenschaftlerInnen für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften aus.

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Im März 2017 erschien das Buch in tschechischer Übersetzung:

Jen pro peníze? Pražské židovské elity v 19. století - skupinová biografie

Verlag: NLN - Nakladatelství Lidové noviny
1. Auflage 2017
264 Seiten
ISBN: 978-80-7422-512-3

Rezensionen:

  • Kateřina Čapková in:
    Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 64/1 (2016) 149-151:
    "Niedhammer ist es gelungen ein innovatives, fundiertes und ideenreiches Buch zu schreiben, das uns einen plastischen und vielschichtigen Blick in die Denkweise, den Alltag und die Selbstverortung von fünf großbürgerlichen jüdischen Familien in Prag vermittelt. Zugleich ist ihr Buch ein nicht zu übersehender, wichtiger Beitrag zur Geschichte der böhmischen und habsburgischen Juden, wie auch zur Stadtgeschichte von Prag."
  • Martin Munke in:
    Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung (ZfO) 63/4 (2014) 593-595:
    "Die Studie [...] knüpft an die sich in den vergangenen Jahren verstärkende kulturhistorische Beschäftigung mit dem Themenkomplex „Identität“ an. Jenseits von früheren Erklärungsmustern, die sich gerade in Hinblick auf jüdische Bevölkerungsgruppen weitgehend einseitig auf die Paradigmen „Assimilation“ oder „Akkulturation“ stützten, gerieten dabei vermehrt „gemischte“, „plurale“ oder „hybride“ Identitäten in den Blick. [...] Die Studie von N. fügt sich mit ihren Zentralbegriffen „Loyalität“ und „Lebenswelten“ sinnvoll in diesen Kontext ein und zeigt die Spannungen auf, in denen sich die gewählte Akteursgruppe bewegte."
  • Hillel J. Kieval in:
    Bohemia 54/2 (2014) 468-471:
    "'Nur eine 'Geld-Emancipation?' represents a significant departure from the ways in which historians traditionally have approached the study of Jewish culture and society in Prague during the half-century that preceded formal Jewish emancipation in 1867."
  • Ulf Morgenstern in:
    Jahrbuch zur Liberalismus-Forschung 1 (2014):
    "Der jüdische Teil des Prager Großbürgertums ist mit der vorliegenden Studie hervorragend untersucht."
  • Iveta Cermanová in:
    Judaica Bohemiae 49/1 (2014) 121-131:
    "Martina Niedhammer has produced a key word on the history of Bohemian Jews, which is clearly one of the most important studies on this topic to date."
  • Carolin Kosuch in:
    sehepunkte 13/12 (2013):
    "Martina Niedhammer gelingt mit ihrer Darstellung ein Aufbrechen gängiger Akkulturationsdeutungen [...] Ihre vielfältigen, oft erstmalig in einer Forschungsarbeit berücksichtigten Quellen geben der Argumentation Gewicht und machen die Schrift zu einem wertvollen Beitrag im wissenschaftlichen Diskurs zur Geschichte Böhmens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts."
  • Ines Koeltzsch in:
    H-Soz-Kult, 03.10.2013:
    "Niedhammer legt eine beeindruckende, glänzend geschriebene Studie vor. Mit ihrer Arbeit zeigt sie, dass gerade die mikrohistorische Konzentration auf eine äußerst kleine Akteursgruppe, die mit Bezug auf die Gesamtheit (hier die Prager Judenheit) keineswegs repräsentativ ist, und die Fokussierung auf einen von der Historiographie eher vernachlässigten Zeitraum (hier vor allem die Jahrzehnte vor 1848) zu prägnanten Thesen mit allgemeingültigen Charakter führen kann. Ihrem Buch bleibt eine breite Rezeption nicht nur seitens der europäisch-jüdischen Geschichtsschreibung, sondern auch der ,allgemeinen', insbesondere der Stadt-, Wirtschafts-, Religions- und Adelsgeschichte zu wünschen."

Titelinformationen:

Religiöse Kulturen im Europa der Neuzeit, Band 002
1. Auflage 2013
340 Seiten, mit 22 Abb.und 5 Stammbäumen, gebunden
ISBN 978-3-525-31020-5